Jungpferd = Maßsattel?

Immer wieder hören Pferde und Ponys Sätze wie diese von ihren Reitern:

„Wenn der Sattel meinem jungen Pferd annähernd passt, reicht das aus. Es verändert sich doch noch so stark. Wenn es ausgewachsen ist, kann ich immer noch einen passenden Sattel kaufen.“

oder

“Ich muss doch eh bald einen neuen kaufen. Da lohnt sich kein teurer Sattel.“

und

„Der hat ein austauschbares Kopfeisen. Wenn mein Pferd sich verändert hat, kann ich das einfach auswechseln.“

Nein, ihr lieben Pferdeleute. Da macht ihr einen Denkfehler. 😉 Warum, will ich euch jetzt erklären.

Richtig ist, dass die Pferde sich gerade in jungen Jahren ständig verändern. So wie ein Mensch sich etwa bis zum 21. Lebensjahr im Wachstum befindet und fast jede Woche anders aussieht, ist es auch bei den Tieren.

Es gibt einen „Richtwert“, der besagt, dass ein dreijähriges Pferd die Reife besitzt, langsam an Sattel und Reitergewicht gewöhnt zu werden. Die Ausbildung sollte spielerisch sein. Mit fünf Jahren ist das Pferd in der Lage, mit der wirklichen Arbeit am Boden und unter dem Sattel zu beginnen. Sehnen, Muskeln und Bänder entwickeln sich erst mit der Zeit und müssen vorsichtig antrainiert und auf ihre Aufgaben vorbereitet werden. Erst ab dem achten Lebensjahr ist die Muskulatur in der Lage, höhere Lektionen anzugehen.

Wird einem Jungpferd schon von vorne herein ein nicht gut sitzender Sattel, der Pferd und Reiter passt, aufgelegt, verbindet das Tier schon ganz am Anfang Unbehagen und Schmerz mit dem Sattel – genau das, was der Reiter nicht will.

Nun könnt ihr aber aufatmen.

Für kein Jungpferd muss gleich in einen Maßsattel investiert werden (auch, wenn das durchaus Sinn macht). Es sei denn, das Pferd ist ein ausgemachter ‚Körperbau-Spezialist‘. Das gehört dann aber zu den berühmten Ausnahmen. 😉

Wichtig ist, dass der Sattel in alle Richtungen mehrfach veränderbar ist. Ein solcher Sattel – und das gilt nicht nur für Remonten – sollte sich uns Pferden stets anpassen und im Wachstum begleiten können. Ein hochwertiger Sattel kann zu unserem treuen Begleiter in allen Lebenslagen- und Jahren werden. Ein einfaches „dieses Sattelmodell hat ein verstellbares Kopfeisen“ reicht nicht. Meist sind solche Kopfeisen auch unphysiologisch gebaut und fügen unseren empfindlichen Pferdeschultern sogar Schaden zu. 😦

Hier ist ein Foto von Funi mit dem Druckbild eines nicht passenden Sattels. Dieser wurde nur kurz aufgelegt und für ein Foto angegurtet. Sein Fell ist schon sofort eingedrückt und erste Schwachstellen klar ausgemacht:

DSC_0040.wp

Das Kopfeisen und die Höhe der Kissenanbringung passten nicht. Wenn Funi und seine vierbeinigen Gefährten an dieser Stelle Druck empfinden, ist es, als würde der Reiter auf die Bremse treten. Hier sitzen wichtige Reflexpunkte, die die Vorwärtsbewegung verhindern sollen.

Die Muskulatur ist zwar nicht ganz so nachgiebig wie das dichte Fell, aber stellt man sich noch regelmäßig Gewicht im Sattel vor, werden die Muskeln bald ähnliche Irritationen (Löcher) aufweisen. Daher ist auch ein vor Ort änderbares Sattelkissen von großer Bedeutung. Verändert sich das Pferd, bedarf es einer Anpassung.

Ein mitwachsender Sattel ist zwar kostenintensiver beim Kauf, dafür spart er allerdings eine Menge Geld, Zeit und Nerven in den Jahren der Nutzung. Der Reiter kann den Verkauf des nicht mehr passenden und die Suche nach einem neuen Sattel mit größter Wahrscheinlichkeit abwenden. Es kommen keine hohen Tierarztkosten auf ihn zu, wenn das Pferd die oft erst sehr spät auftretenden Folgeschäden erkennen lässt. Er braucht sich nicht zu wundern, dass die Muskulatur sich nicht aufbaut. Der Sattelfachmann kann schnell kommen und das Problem mit geringem Aufwand lösen. 🙂

Für viele Reiter verwundernd ist die Tatsache, dass ausgerechnet ein passender Sattel oft verändert werden muss. Die Antwort liegt nahe. Ein Sattel, der nicht passt, hindert das Pferd4 an seiner körperlichen Entwicklung. Ist das Kopfeisen zu eng, wird sich kein Trapezmuskel stärken. Es ist nur logisch, dass die Muskulatur dem Druck (in der Bewegung um ein Vielfaches erhöht) des Reitergewichtes nicht standhalten kann und Platz ‚zum Atmen‘ benötigt. Das oft gesagte „der Rücken muss sich dem Sattel erst anpassen“ ist destruktiver Unsinn. 😉

Durch das ungleichmäßige Wachstum von Vor- und Hinterhand sind manche Jungpferde immer mal wieder überbaut. Das beeinflusst den Schwerpunkt des Sattels, welcher manchmal schon nach nur vier Wochen wieder angepasst werden muss. Daher ist es auch sehr wichtig, den Sattel regelmäßig in nicht zu großen Abständen kontrollieren zu lassen – gerade bei jungen Pferden.

Dann ist auch ein entspannter Ritt wie hier bei meinem Freund ‚Prinz William‘ und seiner Reiterin Kyra möglich. 🙂

DSC_1352(2)

Advertisements

Ein Gedanke zu “Jungpferd = Maßsattel?

  1. Manuela von Borstel schreibt:

    Hallo! Sie schreiben in Ihrem Artikel, wie wichtig es ist, für eine Remonte einen Sattel zu kaufen, der in alle Richtungen mehrfach veränderbar ist. Ich habe das Problem, dass ich eine vierjährige Stute habe, für die ich gerne so einen Sattel kaufen würde, mir aber jeder Sattler/ Sattelverkäufer nur Sättel anbietet, deren Kopfeisen sich max. zwei Nummer größer oder kleiner stellen lassen. Oder es werden mir Sättel mit Sattelbäume für viel Schwung im Rücken angeboten, mit dem Hinweis, dass man die ja passend Polstern könnte ( da meine Stute einen relativ geraden Rücken hat), was ich aber falsch finde, ich kaufe ja keinen Sattel, wo von vornehmeren der Baum nicht zum Rückenverlauf passt!!!
    Können Sie mir eine Sattelmarke/ Sattelhersteller empfehlen, deren Sättel sich so mehrfach verändern lassen?

    Viele Grüße Manuela

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s