Die Sattelkissen – Formen, Anbringung und Füllung

Jedes Pferd ist anders“ benannte Dr. Britta Schöffmann ihr Werk zur typgerechten Ausbildung von Pferden. Entsprechend gibt es auch verschiedene Sattelkissenformen. In diesem Artikel gehe ich näher auf Bananen- und Keilkissen ein, wir sehen mögliche Anbringungen der Kissen am Sattel an und schauen, was sich wofür eignet.

Die sogenannten „Bananenkissen“ eignen sich besonders für kurze und geschwungene Pferde. Die Kissen sind bananenförmig, sodass sie dem Schwung des Sattelbaumes gut folgen können. Es ist die traditionelle Kissenform. Die Kissen sind runder und dadurch kürzer als ein Sattel mit Keilkissen.

Unten ist ein Sattel zu sehen, der sich dem Rücken des Pferdes gut anpasst. Es ist ein Pferd mit einem sehr kurzen Rücken. Eine Auflagefläche von nur 42cm kommt häufiger vor, als vielen Pferdebesitzern lieb ist. Bei dieser Länge schließen sich bestimmte Kissenformen und Sattelbäume selber aus.

vgl.Kissenformen_banane.wp.1

Eine andere Kissenform sind die „Keilkissen“.

Die Keilkissen sind häufig zu erkennen an der Naht (siehe letztes Bild unten links). In diese Kissen wird im hinteren Bereich ein keilförmiges Lederstück eingesetzt. Durch die nach hinten rausgezogene Form wird die Auflagefläche gerader und oft deutlich länger. Pferde, denen diese Kissenform passt, haben einen relativ geraden und längeren Rückenverlauf. Durch die Größe und Ausformung dieser Keilkissen können verschiedene Wirkungen erzielt werden.

Hier liegen die Keilkissen auf einem Isländer mit ansteigender Rückenlinie – sie drücken sich in die Lende und sind somit nicht für dieses Pferd geeignet.

vgl.Kissenformen_keil.wp.1
Da die Pferdezucht immer langbeinigere und kürzere Pferde hervorbringt, passen dem Großteil eher Bananen- oder moderate Keilkissen. Auch die Rassenvielfalt nimmt zu. Immer mehr rundrippige (breite) Ponys und Kleinpferde werden gekauft.

Die Sattelhersteller folgen diesem Trend nur sehr langsam. Noch immer stellen sie lange Sättel für schmale Warmblüter her, die durch die Fülle des Angebotes im Vergleich zu Bananenkissen-Sätteln geringpreisiger sind. Das ist einer der zahlreichen Gründe, warum etwa 80% unserer Pferde mit nicht passenden Sätteln geritten werden.

Die Sattelkissen verlaufen nicht nur entlang des Rückenmuskels, sondern auch im Schulterbereich vertikal zum Boden. Genannt werden sie „Kissenspitze“ oder „vertikales Kissen“. Die Kissenspitzen sind in unterschiedlichen Längen erhältlich: ganzes, 3/4 und 1/2 Kissen. Sie schützen das Pferd vor Druck ausgehend vom Kopfeisen oder dem Sattelbaum. Zusätzlich stabilisieren sie den Sattel seitlich.

Die längsten Kissen enden ganz unten am Sattelblatt und unterpolstern die gesamte Kniepausche. Bei schmaleren Pferden und/ oder unsicheren Reitern sind diese Kissen von Vorteil, da sie den Reiterbeinen mehr Halt und Unterstützung bieten.

Unten rechts sind die Dreiviertel-Kissen abgebildet. Hiervon profitieren erfahrenere Reiter, die etwas mehr Bewegungsfreiheit für ihre Beine erreichen.

Die halben Kissen (links) sind besonders bei Pferden mit stark ausgeprägten Muskeln im Bereich des Schulterblattes und Oberarmes des Pferdes geeignet. Ebenso gut eignen sie sich für breite Pferde. Der Reiter erreicht dadurch eine vollkommene Beinfreiheit. Hier ist besonders darauf zu achten, dass die Kissen keine extra ausgeschnittene Schulterfreiheit haben, da der Druck am unteren Kissenende sonst zu hoch wird.

kissenformen_wp_1

Von der Länge und Form abgesehen, gibt es aber auch noch zahlreiche weitere Faktoren, die für eine gute Passform zu berücksichtigen sind: Befestigung am Sattel, Winkelung und Fülldichte.

Der Kissenwinkel muss parallel zum Pferderücken verlaufen und flächig aufliegen. Die beiden grünen Streifen in der Zeichnung stellen in etwa den Verlauf von Sattelbaum (dieser gibt den Kissenwinkel vor) und Pferderippen dar.

Rechts: Ein relativ neuer Sattel, dessen Sattelbaum und Kissen sich dem Pferd gut anpassen.

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Die Kissen der folgenden beiden Sättel sind zu stark gefüllt. Das wird häufig gemacht, um den Sattel hinten höher und damit in den Schwerpunkt zu bringen. So kann sich ein Sattel dem Pferd nicht anpassen und wird punktuell aufliegen. In dem Fall, dass der Schwerpunkt nicht stimmt, sollte man unbedingt auch auf den Schwung und die Weite des Sattelbaums und Kopfeisens sowie die Stärke der Polsterung im vorderen Bereich des Sattels achten.

Links unten: Der Wirbelkanal hat sich durch zu viel Wolle im Polster verengt und ist nun zu schmal für dieses Pferd. Wird weiterhin damit geritten, kann es zu schmerzhaften Entzündungen an der Wirbelsäule des Pferdes kommen, da die Kissen sich bei der Biegung des Pferdes gegen die Wirbel und Muskulatur pressen. Es hilft in diesem Fall nur ein Austauschen des Sattels.

Der schwarze Sattel wäre mit einer angemessenen Füllung gar nicht so verkehrt.

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Die „französischen Kissen“ dieses braunen Dressursattels sind nur vorne und hinten am Sattel angepinnt. Sie sind nicht mit dem Sattel und Schweissblatt vernäht. Durch diese freie Aufhängung können sich die Kissen besser an das Pferd anpassen und leichte Bewegungen der Wirbelsäule mitmachen. Auch sind sie besser an das Pferd anzupassen und für den Sattler einfacher zu bearbeiten.

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Die „verbundenen Sattelkissen“ sind rundherum fest mit dem Sattel vernäht und dadurch Teil des Schweißblattes. Sie haben den Nachteil, dass sie vom Sattler etwas umständlicher zu bearbeiten sind, da erst die Nähte aufgetrennt werden müssen.

An manchen Sätteln sind die Kissen vorne fest angenäht und hinten angepinnt. Wird an so einem Sattel das Kopfeisen verstellt, spannen sich die Nähte und können das Kopfeisen mit der Zeit unter Umständen wieder etwas zusammen ziehen.

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Ein Gedanke zu “Die Sattelkissen – Formen, Anbringung und Füllung

  1. Günthner Roswitha schreibt:

    Hallo, ganz herzlichen DAnkf für den aufschlussreichen Artikel.
    Was mir hier fehlt sind die derzeit so sehr propagierten Breitschaftkissen, wie sie in Iberosätteln und Wanderreitsätteln verarbeitet werden.

    Mein Pferd hatte nun 3 Jahre lang solch einen Sattel und wir kamen gut damit zurecht.
    Leider passt er nun garnicht mehr und ich muß mal wieder suchen.

    Mein derzeitiges Sattlerteam ist, was Sattelkissen angeht sehr unflexibel, um nicht zu sagen verbohrt und das erlebe ich derzeit oft. Zum Leidwesen der mit solchen für diese Pferde unpassend ausgestatteten Sättel. Gott sei DAnk habe ich eine Reitlehrerin, die sich noch auskennt und auf Biodynamik sehr viel Wert legt.

    Herzlichst
    R. Günthner

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