Schmerzen beim Pferd erkennen

Die Seele eines Pferdes äußert sich nur denjenigen, die sie suchen. – Gustav Rau

Heute ist ein herbstlich düsterer Tag. Passend dazu möchte ich mal ein Thema anschneiden, für das nicht jeder Pferdeliebhaber offen ist. Mein Pferd hat einige Wochen auch recht viel ertragen, bevor ich reagieren konnte. Die Isländer zeigen ihre Schmerzen nicht. Sie sind besonders hart im Nehmen und zeigen deutliche Warnsignale häufig erst verhältnismäßig spät. Das hat sich im Laufe der Jahrhunderte in ihren Köpfen eingeprägt. Wer auf das harte, isländische Klima und die dortigen Lebensbedingungen zu sensibel reagierte, hatte keine Chance.

Die Selektion auf „Härte“ in der Pferdezucht, wie es in den vergangenen Jahrhunderten üblich war, hat das individuelle Schmerzempfinden und die Art, wie Schmerzen gezeigt werden, ebenfalls verändert. Bei manchen Wunden können die Pferde und Ponys aber nicht anders, als es zu zeigen. Sky hatte sich im April 2012 ihr rechtes Hinterbein aufgerissen, als sie durch Stacheldrahtzaun rannte. Danach war sie mehrere Monate lahm und wollte nicht berührt werden.

Mit chronischen Schmerzen gehen Pferde allerdings anders um. Wenn der Rücken weh tut, weil die Tiere beispielsweise über einen längeren Zeitraum mit einem unpassenden Sattel geritten werden, zeigen sie das nicht sehr deutlich. In so einem Fall sind die Tiere auf genaue Beobachtungen ihrer Besitzer angewiesen.

Schmerzen erkennen – ein Beispiel

Wenn Isländer zeigen, dass sie Schmerzen haben, sind manch andere Pferde schon längst umgekippt. Hier ist ein Beispiel von großer Traurigkeit:

Funi’s Augen wirkten glasig und der Blick leer und in sich gekehrt, fast apathisch. Oft lassen die Pferde die Ohren hängen oder legen sie an. Die Gesichtsmuskulatur ist verspannt. Bei Sommerfell könntet ihr die größeren Blutgefäße erkennen, die bei Schmerzen deutlicher unter der Haut hervortreten. Die Lippen werfen kleine Falten und die Nüstern sind angespannt verzogen. Oft verändert sich einfach der gesamte Gesichtsausdruck, was hier gut zu erkennen ist.

Hier sehr ihr weitere Anzeichen für Schmerzen:

  • Steifer Gang, nur langsames Einlaufen nach Stehzeit
  • Langsamer Gang
  • Schwerfallende Bewegungsabläufe (Biegungen, Wendungen, z. T. nur einseitig)
  • Häufiges Stolpern
  • Wegrennen unter dem Sattel
  • Zähneknirschen
  • Häufiges Schweifschlagen (auch ohne Fliegenbelästigung)
  • Stöhnen oder Grunzen
  • Asymmetrisches Aussehen (von vorne, der Seite oder von hinten)
  • Auffällige Schonhaltungen
  • Teilnahmsloses oder agressives Verhalten
  • Gelegentliches Zittern
  • Schwitzen ohne vorangegangene schweißtreibende Arbeit
  • Introvertierter Blick und nach hinten horchenden Ohren
  • Glanzloses und raues Fell
  • Einzelne Gangarten sind plötzlich nur noch auf einer Hand möglich
  • Häufiges Umspringen in den Kreuzgalopp, häufiges Verweigern beim Springen
  • Schwierigkeiten beim Bergauf- oder Bergabreiten
  • Taktfehler, kurzes Lahmen
  • Nicht mehr artig beim Schmied/ Hufe geben fällt schwer oder ist unmöglich
  • Gewichtsverlust
  • Kein Hinlegen zum Schlafen und kein Wälzen mehr
  • Sattelzwang
  • Abseits der Herde stehen
  • Schlechteres Fressverhalten
  • Zügel plötzlich beim Reiten aus der Hand reißen/ gegen die Hand gehen

Es gibt noch viele weitere Anzeichen dafür, dass Pferde Schmerzen haben. Wenn euch einige der hier aufgelisteten Dinge bekannt vorkommen, sprecht lieber mit eurem Osteopathen, Hufschmied, Pferdedentisten und/ oder Tierarzt.

Ich wünsche euren Lieblingen gute Besserung. 😉

Ps. Hier ist noch ein Vergleichsbild von Funi. Dieses Bild entstand exakt vier Wochen nach dem obigen Bild und einem Stallwechsel. 🙂

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2 Gedanken zu “Schmerzen beim Pferd erkennen

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